B. Leeming (Würzburg):

Sprachlautbildung bei Patienten mit Kieferdefekten

Da die Wiederherstellung der Sprechfünktion spielt neben der Kau- und Schluckfünktion und Ästetik eine entscheidende Rolle bei der sozialen Wiedereingliederung von Patien- ten, die defektprothetisch versorgt wurden. Die heute üblichen Verfähren zur Unter- suchung der Sprechlaute sind die Frequenzanalye, die Palatographie, die elektromagne- tische Artikulographie sowie verschiedene Testwortverfahren. Diese Methoden erfordern entweder einen relativ hohen technischen Aufwand oder sie sind in der Durchführung sehr zeit- bzw. personalintensiv.

Mit Hilfe eines von uns entwickelten modifizierten Testwortverfahrens wurde die Sprachverständlichkeit bei 29 Patienten - 16 Patienten mit Oberkieferdefekten (Gruppe A) und 13 Patienten (Gruppe B) mit Defekten im Bereich des Unterkiefers - vor und nach defektprothetischer Versorgung eruiert. Bei den Untersuchungen wurden den Pa- tienten 32 Testreime zur Aufsprache aufDAT (Digital Audio Tape) - Rekorder vorge- legt, die sie im Anschluß wieder selbst abhören und wiedererkennen mußten. Durch Wahl entsprechender Konsonanten im Anlaut der Testreime konnten die zu untersuchen- den Sprechlaute nach Funktion (z. B. G und K als Plosivlaute) und Ort (z. b. G und K velar) ihrer Entstehung im Ansatzrohr beurteilt werden. Insgesamt wurden anhand von 32 Testreimen alle im Deutschen vorkommenden Konsonanten sowie die Vokale bei den Patienten untersucht.

Bei der Gruppe A (Oberkiefer) wurde ohne Resektionsprothesen eine Gesamtverständ- lichkeit aller Testwörter von durchschnittlich 55 % erreicht, d. h. nur etwa die Hälfte der auf das Band aufgenommenen Testreime wurden wiedererkannt. Durch Eingliederung einer Resektionsprothese konnte die Gesamtverständlichkeit auf durchschnittlich 85 % erhöht werden. Die Gruppe B (Unterkiefer) kam auf eine durchschnittliche Gesamtver- ständlichkeit von 70 % ohne prothetische Versorgung und nach Eingliederung des im- plantatgetragenen Zahnersatzes nahm die Gesamtverständlichkeit um ca. 20 % auf 50 % ab. Mögliche Ursache sind die ungenügende - operationsbedingte - Zungenmobilität, die durch die Eingliederung des Zahnersatzes in vielen Fällen noch weiter verstärkt wurde. Zudem konnten Implantate oftmals nur relativ weit nach vestibulär inseriert werden, was die Fähigkeit Speichel zu halten wesentlich erschwerte und zu einer auffälligen Ver- schlechterung der Frikativlaute führte. Das vorgestellte Testwortverfahren bzw. die Ge- rätschaften desselben sind beim klinischen Einsatz in der Kiefer-Gesichts-Prothetik zum Austesten der Therapiemittel in Bezug auf Qualität der Sprachlautbildung besonders geeignet; zum einen ist der Zeitaufwand für eine Untersuchung gering, zum anderen wird kein Probandenkollektiv zum Abhören der Bandaufnahmen benötigt.


Korrespondenzadresse:
Dr. B. Leeming
Universitätsklinik u. Polikliniken
f. Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Pleicherwall 2
D-97070 Würzburg



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