B. Reitemeier/W. Schaal (Dresden):

Individuelle Trachealkanülen - klinische und zahntechnische Aspekte

Eine Form interdisziplinärer Patientenbetreuung widmet sich der Versorgung Laryngektomierter. Sei Anfang der 60-er Jahre werden an unserer Hochschule Laryngektomierte mit individuellen Trachealkanülen versorgt. Die methodischen Grundlagen gehen auf Böhme (1963) zurück.

Nach Laryngektomie erhält der Patient seitens des HNO-Arztes die in diesem Fachgebiet üblichen Standardkanülen. Sie weisen die Form eines Kreisbogensegmentes auf und führen in der Folge beim Laryngektomierten zu intratrachealen Veränderungen. Diese zeigen sich u. a. als Granulationen an der ventralen Tracheawand. Neben der Atemwegsbehinderung sind auch Blutungen als Komplikationen anzuführen.

Als Lösung bietet sich für diese Patientengruppe der Ersatz konfektionierter durch individuelle Trachealkanülen an. Damit kann das Tracheostoma offengehalten werden. Die individuelle Kanüle kann so hergestellt werden, daß deren Verlauf dem der an der Halsvorderseite endenden Trachea folgt. Die Retention der individuellen Trachealkanüle erfolgt mittels einer olivenförmigen Verdickung am unteren Kanülenrand.

Die Technologie gliedert sich in Arbeitsschritte, die in der Zahnheilkunde üblich sind. Die Abformung erfolgt mittels einer Abformkanüle und elastomeren Massen. Im sich anschließenden zahntechnischen Arbeitsprozeß erfolgt die Überführung in den definitiven Kanülenwerkstoff. Jahrzehnte setzte man dabei ausschließlich Polymethylmethacrylat ein. Die Verarbeitung erfolgte entweder nach der klassischen Stopf-Preß- oder aber der Spritzgußtechnologie. Um die Nachteile der Kunststoffkanülen zu vermeiden, setzen wir Reintitan als Kanülenwerkstoff ein. Bei Patienten mit großem Tracheallumen werden die Kanülenteile einzeln gegossen und anschließend mittels Laser gefügt. Dies war notwen- dig, weil im Rahmen des Gußprozesses beim Titan Probleme mit dem Formfüllungsvermögen auftraten. Industrieller Einstückguß beseitigt die Porenbildung. Dabei treten aber für die großen Kanülen klinisch bedeutsame kontraktionsbedingte Dimensionsänderungen auf.

Die klinischen Vorzüge werden vom Patienten vor allem in einer spürbaren Atemerleichterung und dem Ausbleiben von Blutung beschrieben.

Korrespondenzadresse:

Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Bernd Reitemeier
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
der Technischen Universität Dresden
Vorklinische Prothetik, Werkstoffkunde u. experimentelle Zahnheilkunde
Fletscherstraße 74
01307 Dresden



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