K.R. Rasche (Münster)

Die Modellgußprothese in der Defektprothetik

Teil 1: Versorgungsformen, Indikationen und Kontraindikationen
Allzu sorglos ist die Modellgußprothese als "Klassen-Klammerprothese" abqualifiziert worden. Die scheinbar simplen klinischen und technischen Arbeitsabläufe sowie auch das Risiko, daß Klammerzähne eher an Karies erkranken oder Parodontopathien zum Opfer fallen, verleiten zu einer unberechtigten Relativierung sowohl der Problematik als auch des sozialen Stellenwertes dieser Ersatzform innerhalb der konventionellen und nicht selten auch innerhalb der Kiefer-Gesichts-Prothetik. Und deshalb werden im Hinblick auf eine Minderung der Plaqueakkumulation und mithin Sicherung des sekundären oder Langzeiterfolges häufig die präzisionsverankerten Kombinations- gegenüber gußklammerverankerten Modellgußprothesen bevorzugt. Ob ein hoher konstruktiver Aufwand (z.B. teleskopierende Elemente) dazu beiträgt, schädliche Nebenwirkungen einzudämmen und intakte orale Strukturen gesund zu erhalten bzw. defektbetroffene Regionen zu schonen, muß als umstritten angesehen werden. Deshalb sollte man die Modellgußbasis nicht als Lückenbüßer abtun, sondern als echtes alternatives Therapeutikum in die Planungen mit einbeziehen, wobei Schaden-Nutzen- und Aufwand-Nutzen-Überlegungen zur Definition eines Behandlungserfolges unerläßlich sind. Die Indikation für die Einstückgußprothese resultiert aus

  • der Reduktion des Restgebisses und der strategisch-topographischen Konstellation der Restzähne
  • 4-fache Abstützung
  • 3-fache Abstützung
  • 2-fache Abstützung (lange Tangente)
  • Der Relation zwischen intakten Gewebestrukturen und der Defektgröße
  • der inneren Defektkonfiguration (Retentionsmöglichkeit durch Ausnutzen untersichgehender Partien)
  • dem Hygienestatus
  • Zustand potentieller Ankerzähne
  • Allgemeinzustand des TU-Patienten
  • Prognosis quo ad vitam
  • Spätere chirurgische Rekonstruktion (autologes Knochentranspl., enossale Implantate)


  • Folgende Faktoren kontraindizieren die Verwendung der Einstückgußprothese innerhalb der Kiefer-Gesichtsprothetik:
  • Reduktion des Restgebisses und Konstellation der Restzähne
  • 2-fache Abstützung (kurze Tangente)
  • 1-fache Abstützung
  • Diskontinuität des Unterkiefers (z.B. mediane Kontinuitätsresektion)
  • Fehlende Korrespondenz von Klammerteilen
  • Fehlende Unterschnitte zur Kompensation mobilisierender Kräfte (z.B. Hebel / Obturator)
  • Antimonie zwischen Ästhetik und Funktion
  • Zustand potentieller Klammerzähne
  • Einstufung als parodontaler bzw. Kariesrisikopatient


  • Die Immobilität der Resektionsprothese ist conditio sine qua non, wenn die Rehabilitation erfolgswahrscheinlich sein soll. Dabei geht es nicht nur um den primären Erfolg, der operationsbedingte Dysfunktionen im Moment der Protheseneingliederung in Eufunktionen umformt, sondern vielmehr um den sekundären Erfolg. Dieser Langzeiterfolg ist einerseits davon abhängig, wie lange eine Resektionsprothese funktionstüchtig war. Andererseits und von ungleich größerer Bedeutung ist es, wie sich der Gebrauch des Gewebe- und Zahnersatzes auf die intakten und defektbetroffenen Strukturen ausgewirkt hat, m.a.W. wie groß die "Nebenwirkungen" waren.

    Der Behandlungserfolg auf Dauer kann sich nur einstellen, wenn die eigentliche restaurative Behandlung gewissermaßen in stringenter Vorbehandlung und konsequenter Nachsorge eingebettet ist und die Restauration sachkundig geplant und regelrecht ausgeführt werden; denn ein Zahn nimmt nicht dadurch Schaden, daß er prothetisch genutzt wird.

    Korrespondenzadresse:
    PD Dr. K.R. Rasche
    Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
    Waldeyerstr. 30
    48149 Münster



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