M. Gente (Marburg):

Die über Doppelkronen verankerte Defektprothese

Doppelkronen sind ein bewährtes Verankerungsmittel für herausnehmbaren Zahnersatz. Sie können sowohl als Elemente der beweglichen als auch der starren Lagerung dienen. Bei Patienten mit Kieferdefekt ist ihr Hauptindikationsgebiet die Verankerung von Defektprothesen im reduzierten Lückengebiß, und zwar gerade dann, wenn eine ungünstige Pfeilertopographie vorliegt.

Im stark reduzierten Lückengebiß und bei vorgeschädigtem Parodont, wie es bei älteren Patienten häufig vorliegt, hat sich die Ausführung mit Resilienzspielraum. bewährt. Die Zähne haben dann eine Führungs- und Haltefunktion für den Zahnersatz, erst in der Endphase der Belastung, nachdem sich die Prothese in das resiliente Prothesenlager um ca. 0,5 mm eingelagert hat, nehmen sie auch eine Stützfunktion war. Bei mehr als 4 parodontal belastbaren Zähnen arbeiten wir ohne Resilienzspielraum.

In Marburg verwenden wir die Doppelkrone mit zusätzlichem Halteelement. Die Trennung von abstützender Funktion und Haltefunktion erleichtert die technische Umsetzung. Zwischen der Primärkrone und der Sekundärkrone besteht eine Spielpassung. Die Spielpassung verhindert ein Verkeilen oder Verkanten der Primärkrone in der Sekundärkrone. Die Haltewirkung wird über ein zusätzliches Element, einen Federbolzen (z.B. SiTec), gezielt eingestellt. Diese Konstruktion hat den Vorteil, daß auf einfache Weise alle Kronen und die Modellgußbasis aus einer Kolbalt-Chrom-Molybdänlegierung hergestellt werden können. Die Modellgußbasis und die Sekundärkronen werden in einem Stück gegossen. Die Festigkeit dieses Legierungstyps erlaubt es, die gesamten auftretenden Kräfte durch die Sekundärkronen zu leiten, Transversalbänder oder Sublingualbügel sind zur mechanischen Verstärkung des Modellgußgerüstes nicht erforderlich. Dadurch wird eine parodontalhygienisch besonders günstige Ausführung möglich.

Gerade beim Defektpatienten ist die Prognose über den Erhalt der Zähne häufig unsicher. Dennoch müssen zur Stabilisierung des Zahnersatzes möglichst viele Zähne in die prothetische Versorgung als Pfeiler mit einbezogen werden. Sollte nach Eingliederung der Prothese ein Zahn verlorengehen, so ist die Erweiterung der über Doppelkronen verankerten Defektprothese nach der Entfernung des Pfeilerzahnes einfach, kostengünstig und schnell durchführbar. Eine Neuanfertigung ist in der Regel nicht erforderlich, der Patient behält die Prothese, an die er bereits adaptiert ist. Somit stellt die Versorgung mit Doppelkronen eine auf längere Sicht gesehen besonders wirtschaftliche Lösung dar.

Korrespondenzadresse:
PD Dr. Michael Gente
Abt. für Zahnärztliche Propädeutik und Kiefer-Gesichts-Prothetik
Georg-Voigt-Str. 3
35033 Marburg/Lahn E-Mail: M. Gente


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