T. Weischer, C. Mohr, D. Schettler (Essen):

Zur implantologisch-defektprothetischen Versorgung der unteren Mundhöhlenetage nach Tumorresektion und Radiatio

In zunehmendem Maß werden enossale Implantate nach Tumorresektionen in der unteren Mundhöhlenetage als defektprothetische Retentionsanker eingesetzt. Systematisierte, kombiniert implantologisch-defektprothetische Behandlungskonzepte, zwingend für einen Langzeiterfolg enossaler Implantate unter den schwierigen anatomischen Verhältnissen nach Tumorresektion und ggf. adjunvanter Strahlentherapie, fehlen in der Literatur bislang.

In der Essener Klinik wurden in einer prospektiven Studie bislang 40 Tumorpatienten mit insgesamt 175 enossalen Implantaten versorgt. 18 dieser Patienten waren durchschnittlich 36 Monate vor der Implantation mit bis zu 75 Gy bestrahlt worden. Bei 18 Patienten bestand das Implantatlager aus freiem Beckenkamm, bei 4 Patienten aus gefäßanastomosiertem Beckenkamm. 37 Patienten sind bisher defektprothetisch versorgt worden. Als defektprothetische Attachments wurden Stege , Kugelknöpfe, Teleskope und bedingt abnehmbare Konstruktionen gewählt.

Über einem Kontrollzeitraum von durchschnittlich 36 Monaten gingen 11 Implantate bei 6 bestrahlten und 5 Implantate bei 3 nicht bestrahlten Tumorpatienten verloren. Alle anderen Implantate sind reizlos osseointegriert. Nur 2 der bislang 37 implantologisch-defektprothetisch versorgten Patienten konnten den Zahnersatz nicht adaptieren. Eine gute Lagestabilität war mit allen Attachments zu erreichen. Ausschließlich implantatgetragene Suprastrukturen zeigten im Vergleich zu implantat-tegumental getragenen Konstruktionen eine deutliche geringere Weichgewebstraumatisierung und vermindern somit die Gefahr einer prothesenbedingten Osteoradionekroseentwicklung.

Aufgrund der günstigen Ergebnisse ist die chirurgische und prothetische Implantologie in der Essener Klinik ein fester Bestandteil in der oralen Rehabilitation von Tumorpatienten geworden.
In dem Vortrag wird das Essener Konzept der Implantatversorgung von Tumorpatienten unter Einbeziehung der bislang spärlichen Literatur dargestellt. Auf Indikation, Zeitpunkt und Vorgehen bei der Implantatinsertion, sowie Wahl des prothetischen Attachments und der Prothesenform einschließlich des Recallschemas wird besonders eingegangen.

Korrespondenzadresse:
Dr. Thomas Weischer
Oberarzt der Poliklinik
Klinik für Gesichts- und Kieferchirurgie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45122 Essen



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