B.Leeming, A.Renk, M. Redelberger (Würzburg):

Untersuchungen zur Keimbesiedlung von Silikonen

1. Einleitung
Die Silikone haben sich in der Kiefer-Gesichts-Prothetik neben dem Methacrylat weitgehend durchgesetzt. Die gute Verarbeitbarkeit und die elastischen Eigenschaften lassen das Silikon für die Herstellung von Obturatoren als sehr geeignet erscheinen. Dieser Werkstoff ist aber auch mit Nachteilen behaftet: Schon bald nach der Inkorporation in das Cavum Oris kommt es zu einer Keimbesiedlung des Obturators. Die Ausbildung eines Biofilms mit massenhafter Ansammlung von Bakterien und Pilzen ist nicht nur ein ästhetisches Problem (Verfärbung); auch aus hygienischer Sicht sind die Silikone bei dieser Anwendung problematisch. Ziel der durchgeführten Untersuchungen war die Schaffung eines Überblicks über den Verlauf der Besiedlung der Silikonoberfläche mit Keimen, um daraus Verbesserungen bezüglich Herstellung und Handhabung (Pflege/Hygiene) eines Obturators abzuleiten.

2 Material und Methode
Die untersuchten Obturatoren (n=6) waren aus Biopor 40 und Epiform-Flex gefertigt worden (Fa. Dreve-Dentamid).
In der Zeitspanne von 3/1997 bis 1/1998 wurde von den sechs Obturatoren, die zwischen 6 Wochen und 3 Monaten getragen worden waren, Biopsien zur Bestimmung des vorhandenen Keimspektrums und für eine REM-Untersuchung genommen (jeweils orale Seite und Defektseite). In zwei Fällen wurden die Patienten angehalten, einen neu angefertigten Obturator nach jeweils 3 Tagen in Dibromol zu spülen.

3 Ergebnisse
Die REM-Untersuchungen ergaben eine dichte Oberfläche (Vergrößerung 200x) in den nicht von Keimen besiedelten Arealen. Dort wo bereits makroskopisch Plaques erkannbar waren, zeigte sich eine dichte Keimbesiedlung (Vergrößerung l000x). Die mikrobiologischen Untersuchungen ergaben in allen sechs Fällen eine dichte Besiedlung mit Enterobakterien. Die mit Dibromol behandelten Obturatoren (n=2) wiesen nach 3 monatiger Inkorporationszeit nur sehr vereinzelt Piaques auf. Mikrobiologisch konnte nur die typische Standortflora nachgewiesen werden.

4 Diskussion und Schlußfolgerung
Die für die in der oralen bzw. pharyngealen Region getragenen Obturatoren nachgewiesenen Keimspektren sind für diese Region als völlig ungewöhnlich anzusehen. Die nachgewiesenen Enterobakterien scheinen eine besondere Affinität zu Silikonen aufzuweisen. Die regelmäßige Desinfektion mit Dibromol ist ein adäquates Mittel zur Verbesserung der Hygiene im Defektbereich. Es sind jedoch wegen der noch zu geringen Fallzahlen weitere klinische und mikrobiologische, sowie in-vitro Untersuchungen erforderlich, die zur Zeit in unserer Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg erfolgen.


Korrespondenzadresse:
Dr. Bruce Leeming
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Pleicherwall 2
D -97070 Würzburg

E-Mail:leeming@hrb.de


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