M. Dölger-Häfner (Gochsheim):

Erstversorgung von Säuglingen mit Schluckhilfen und Auswirkungen der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten auf die Gebißentwicklung


Nur ein interdisziplinäres Behandlungskonzept kann die umfassende Rehabilitation des Spaltträgers ermöglichen. Der Kieferorthopäde betreut den Patienten von der Geburt bis ins junge Erwachsenenalter hinein.

Gerade bei der Primärversorgung des Neugeborenen kommt der präoperativen kieferorthopädischen Behandlung eine zentrale Rolle zu. Bei der Spaltfehlbildung imponieren 2 Störungskomplexe:
1. die ästhetische Beeinträchtigung und
2. die funktionelle Störung.
Die falsche Zungenlage verschlechtert die Fehllage der Oberkiefersegmente, intrauterin ausgeübtes Fingerbeißen oder -lutschen kann zu erheblichen Verlagerungen der Prämaxilla führen.

Durch das Eingliedern einer Platte wird die Zungenlage normalisiert, gezielte Einschleifmaßnahmen führen zu einer korrekten Einordnung der Oberkieferteile vor den ersten spaltverschließenden Operationen. Die Eltern werden in die Therapie integriert (Plattenhygiene, Einsetzen der Behandlungsbehelfe) und erhalten dadurch eine Hilfe zur Verarbeitung der negativen Erfahrungen nach der Geburt.

Mit der Spaltfehlbildung ist häufig eine Wachstumsstörung im Mittelgesicht verbunden. Kaphalometrische Untersuchungen von unoperierten Spaltträgern legen den Schluß nahe, daß unter anderem die postoperativen Maßnahmen für diese Entwicklungsstörung mitverantwortlich sind. Neben skelettalen Diskrepanzen finden sich beim Spaltpatienten typische dentale Probleme:

1. Aplasie, Hypoplasie oder Doppelanlagen im Spaltbereich
2. stark gedrehte und gekippte OK-Frontzähne
3. Nichtanlagen von Prämolaren
4. Zahnkeimverlagerungen im Spaltbereich.

Die kieferorthopädische Behandlung dieser Patienten gliedert sich in aktive Behandlungsabschnitte und Retentionsphasen. Besonders wichtig ist die Entscheidung über die Versorgung im Spaltbereich. Kann hier ein Lückenschluß erfolgen oder muß zu einem späteren Zeitpunkt eine prothetische oder Implantatversorgung erfolgen?

Korrespondenzadresse:
Dr. M. Dölger-Häfner
Löhnstraße 4
97469 Gochsheim


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