A. Künzel (Düsseldorf):

Möglichkeiten der festsitzenden Versorgung bei Spaltpatienten


Vor einer definitiven prothetischen Versorgung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten müssen das Kiefer-Wachstum, die kieferorthopädische und die kieferchirurgische Behandlung (Ausnahme: letzte chirurgische Lippenkorrekturen) abgeschlossen sein. Der prothetische Verschluß von Kiefer- oder Gaumendefekten, größere Zahnstellungsänderungen oder die Verankerung von Zahnersatz auf beweglichen Pfeilerzähnen bzw. Kieferanteilen sind mit herausnehmbaren Versorgungen zu lösen. Eine festsitzende definitive Versorgung ist dann anzustreben, wenn eine solche Lösung ästhetisch und funktionell suffizient, hygienefähig und prognostisch langlebig gestaltet werden kann. Für festsitzende Versorgungen bestehen grundsätzlich die drei Möglichkeiten konventioneller Rekonstruktionen (zementierte Kronen / Brücken), adhäsiver Rekonstruktionen (Kunststoff-Aufbaufüllungen / Veneers / Klebebrücken) und implantatprothetischer Versorgungen.

Konventionelle Kronen und Brücken sind und bleiben auch bei Spaltpatienten sicherlich die Standardversorgung für festsitzenden Zahnersatz und funktionelle und ästhetische Korrekturen im Frontzahnbereich.

Adhäsive Rekonstruktionen sind interessante Alternativen für festsitzende Lösungen bei minimiertem Präparationsbedarf. Spaltpatienten sind in der Regel junge Erwachsene, wenn die erste definitive prothetische Versorgung vorzunehmen ist. Zu diesem Zeitpunkt weisen die Pfeilerzähne noch relativ voluminöse Pulpen auf und haben zumeist noch keine kariösen oder parodontalen Destruktionen erlitten. Oft liegt ein frontal offener Biß vor, kaum jemals ist ein Deckbiß oder Tiefbiß zu beobachten. Daher können die Palatinalflächen der lückenbegrenzenden Pfeiler häufig für die Retentionsarme von Klebebrücken genutzt werden, ohne daß okklusale Interferenzen zu den Antagonisten hinderlich wären. Wenn ein lateraler Inzisivus hypoplastisch ist oder ein (Eck-) Zahn deutlich in Infraokklusion steht, kann es sich anbieten, eine reine Schmelzpräparation durchzuführen und die jeweilige Rekonstruktion (Veneer, Krone) adhäsiv zu befestigen. Eventuelle Präparationstraumen können so vermieden werden. Für kleinere Korrekturen genügen Schmelzpräparationen und/oder adhäsive Aufbaufüllungen.

Implantatprothetische Lösungen im Spaltbereich scheinen nach unserer Erfahrung noch die Ausnahme zu sein, sicherlich aufgrund problematischer Knochen- und Weichteilverhältnisse im Spaltbereich, vielleicht auch aufgrund einer Operationsmüdigkeit der Patienten nach diversen chirurgischen Eingriffen seit frühester Kindheit.

Korrespondenzadresse:
Dr. Andreas Künzel,
Heinrich Heine Universität Düsseldorf
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf


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