K. Hertrampf, H.-J. Wenz, M. Gente, K.M. Lehmann (Marburg):

Funktionsstabiler Zahnersatz bei Patienten mit Unterkieferdefekten


Die prothetische Versorgung eines teil- oder unbezahnten Unterkiefers mit Kieferdefekt stellt Behandler und Patienten oft vor schwierige Probleme. Abhängig von Art und Umfang der vorausgegangenen chirurgischen Behandlung und einer evtl. Strahlentherapie ist die funktionsstabile Lagerung des Zahnersatzes erschwert, besonders wenn eine Unterbrechung der Kontinuität der UK-Spange vorliegt. Die Weichteilsituation des Rest-Unterkiefers verbietet in vielen Fällen, insbesondere post radiatio, die gingivale Abstützung des Zahnersatzes. Der teilbezahnte Unterkiefer ist meist durch eine ungünstige Pfeilertopographie gekennzeichnet. In dieser Situation ermöglicht oft erst der Einsatz von Implantaten, auch in Kombination mit vorhandenen Zähnen, die Eingliederung eines funktionsstabilen Zahnersatzes.

Im zahnlosen Unterkiefer favorisieren wir einen rein steggetragenen Zahnersatz auf fünf bis sechs Implantaten. Steg und herausnehmbare Suprakonstruktion werden so gestaltet, daß nur im Sattelbereich ein kleinflächiger Schleimhautkontakt ohne Abdeckung der periimplantären Gewebe besteht,. Die Rekonstruktion der Okklusion durch die herausnehmbare Suprakonstruktion erlaubt eine einfache, später evtl. notwendige Korrektur von Bißlage und Okklusion.

Bei noch vorhandener Restbezahnung werden diese Zähne in der Regel mit Marburger Doppelkronen in die Versorgung mit einbezogen. Falls wegen der Stellung der Zähne oder des Unterkiefers eine besonders tiefreichende Präparation erforderlich ist, wird diese unter Dentometerkontrolle so vorgenommen, daß die Vitalität der Zähne möglichst erhalten wird. Im günstigen Fall bei geringer Unterkieferdeviation und nur partiellem Zahnersatz kann auch ein rein implantatgetragene Brücke eingegeliedert werden.

Die implantatgestützte Versorgung des Unterkiefers ermöglicht auch in schwierigen Situationen bei Kieferdefekt die Eingliederung eines funktionsstabilen Zahnersatzes. Man darf aber nicht übersehen, daß damit nur ein Detail der oralen Lebensqualität unserer Patienten wiederhergestellt werden kann. Störungen der Motorik, insbesondere der Zunge, und Einschränkungen der Sensibilität können naturgemäß durch Zahnersatz nicht beseitigt werden.

Korrespondenzadressen:
Dr. Katrin Hertrampf
Abteilung für Zahnärztliche Propädeutiuk und Kiefer-Gesichts-Prothetik
Georg-Voigt-Str. 3
35033 Marburg/Lahn
E-mail: hertrampf@mailer.uni-marburg.de


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