H.-U. Klapper, A. Thriemer, Th. Reiber (Leipzig), B. Reitemeier, A. Schmidt, A. Höhlein (Dresden), H. Schröder, J. Al-Khazraji, U. Hänsch, S. Thiel (Leipzig):

Ergebnisse der Studie zur Rehabilitation von Kiefer-Gesichts-Versehrten unter besonderer Berücksichtigung psychosozialer Faktoren und der Beeinträchtigung phonetischer Funktionen

1. Problemstellung und Stand der Literatur
Chirurgische Eingriffe im Rahmen einer komplexen Tumortherapie sind die häufigste Ursache für Defekte im Mund- Kiefer- und Gesichtsbereich. Die Patienten leiden sowohl an morphologischen Entstellungen als auch gravierenden funktionellen Störungen sowie psychischen Belastungen.

2. Material und Methode
Die Untersuchung wurde im Rahmen des Reha-Forschungsverbundes Berlin-Brandenburg-Sachsen (BBS) gefördert. Als Grundlage zur Ableitung individueller Rehabilitationsziele wurde ein klinischer Status, der die Defektsituation und die dadurch bedingten Funktionseinschränkungen aus zahnärztlicher, HNO-ärztlicher und phoniatrischer Sicht bewertet, erhoben. Aus psychologischer Sicht wurde der psychosoziale Status bewertet. Die Untersuchung erfolgte in drei Gruppen: Patienten mit Defekten des Oberkiefers, mit Defekten des Unterkiefers sowie mit Defekten im Gesicht. Dabei wurde eine Untersuchung vor resektionsprothetischer/ epithetischer Versorgung, nach Eingliederung der Versorgung und nach einer 6-monatigen Tragezeit durchgeführt.

3. Ergebnisse und Diskussion
In die Untersuchung konnten insgesamt 137 Patienten einbezogen werden. Die Wiederherstellung der Funktionen erfolgte in Abhängigkeit von Defektart, -lokalisation und -größe. Funktions-einschränkungen und daraus resultierende Belastungen sind sehr unterschiedlich. Patienten mit Oberkieferdefekten adaptieren sich i.d.R. schnell an die resektionsprothetische Versorgung, dabei kann die meist sehr schlechte Sprachverständlichkeit erheblich verbessert werden. Patienten mit Unterkiefer- und vor allem Zungenresektionen benötigen eine längere Adaptationsphase. Im Ergebnis der Psycho- und Sozialdiagnostik erfolgte eine Einteilung der Patienten in sechs Gruppen hinsichtlich ihrer Strategie zur Bewältigung der Belastungen. Bei vielen der untersuchten Patienten besteht der Bedarf an einer begleitenden psychologischen Betreuung. Die vorliegende Untersuchung zeigt einen umfassenden, jedoch nach Defektart und Funktionseinschränkung sowie Bewältigungstyp differenzierten Betreuungsbedarf. Die Versorgung mit einer Resektionsprothese/ Epithese ist ein entscheidender Schritt bei der postoperativen funktionellen und psychosozialen Rehabilitation.

Korrespondenzadresse:
Dr. H.-U. Klapper
Universität Leipzig
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde
Nürnberger Str. 57
04103 Leipzig


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