G. Gehl (Zürich):

Neue einzeitige Methode in der kraniofazialen Implantatprothetik

Nach der Ausräumung eines Tumors in der Mittelgesichtsregion werden häufig Titanimplantate gesetzt, die nach ihrer Osseointegration zur Verankerung einer Gesichtsepithese genutzt werden. Die Einheilungsphase dieser Einzelpfosten beträgt in der extraoralen Prothetik in der Regel drei Monate, während derer die Defekthöhle entweder von einem Gazeverband oder von einer ästhetischen brillenretinierten Interimsepithese bedeckt wird. Sicherlich ist es für die Patienten aus psychosozialen Gründen sinnvoll, eine definitive Versorgung so früh wie möglich vorzunehmen. Deshalb haben wir eine einzeitige Methode entwickelt, um die Wartezeit zu verringern: Sofort nach der Tumorresektion wird ein 3-D-Gitterimplantat am Knochen fixiert und mehrere Pfosten mit integrierten Minimagneten in der Gitterplatte verschraubt (Bild 1, links). Da das periimplantäre Weichgewebe postoperativ noch geschwollen ist, wird bis zur definitiven Anpassung der Epithese zwei Wochen gewartet (Bild 1, rechts). Danach kann die Anpassung der Epithese vorgenommen werden, da sich die Topografie des Weichgewebes nur noch wenig verändert. Mittlerweile kann nach zwei Jahren Erfahrung mit dieser kurzfristigen Implantatversorgung in der extraoralen Prothetik festgestellt werden, dass keine Entzündung oder andere Probleme im Bereich des Gitterimplantates oder um die Pfosten beobachtet wurden. Unser Konzept reduziert die Wartezeit für die definitive implantatprothetische Versorgung im Gesichtsbereich von bisher drei Monate auf zwei Wochen. Schliesslich gibt es mit dieser Methode drei Optionen für die Rehabilitation:

  1. Die gitterimplantatretinierte Epithese bleibt als definitive Versorgung bestehen.
  2. Das Gitterimplantat ist eine frühzeitige Option zusätzlich zu einer Langzeitversorgung mittels osseointegrierten Einzelpfosten zur Retention einer Epithese.
  3. Das Gitterimplantat und die Epithese ist eine frühzeitige temporäre Rehabilitation und zur Überbrückung einer Beobachtungszeit unter Sicht geeignet. Nach einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren Tumorfreiheit kann die Konstruktion problemlos herausgeschraubt und die definitive chirurgische Rekonstruktion durchgeführt werden.




Bild 1:
Epitec 3-D-Carrierplate in situ nach ablatio nasi bei einer
82-jährigen Patientin (li). 14 Tage postoperativ die definitive
Anpassung der magnetretinierten Epithese (re).

Korrespondenzadresse seit 1.1.2008:
Dr. Gerolf Gehl, Praxisgemeinschaft Zentrum Felsenburg
Thundorferstrasse 4
CH-8500 Frauenfeld
Tel +41 (0)52 723 24 25 | Fax +41 (0)52 723 24 20

E-Mail: info@gerolfgehl.ch


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