S. Linsen, U. Schmidt-Beer, B. Niederhagen, B. Braumann und B. Koeck (Bonn):

Funktionelle und ästhetische Rehabilitation durch interdisziplinäre Behandlung nach Teilresektion des Unterkiefers im Kindesalter

Ziel, These, etc.:
Nach Kieferresektion im Kindesalter kommt es in der Regel nach autologer Knochentransplantation zu einer Unterentwicklung des betroffenen Kiefers. Bei einem sechsjährigen Patienten wurde auf Grund eines Osteosarkoms eine Unterkiefer-Teilresektion mit Kontinuitätsdurchtrennung in regio 36 bis 44 durchgeführt. Aufgabe war es den Patienten wachstumsbegleitend funktionell und nach Wachstumsabschluß ästhetisch zu rehabilitieren.

Material und Methode:
Mit Hilfe der weiterentwickelten Methoden der knöchernen Rekonstruktion, der plastischen Deckung und der Implantologie, sowie der begleitenden kieferorthopädischen Behandlung und den Möglichkeiten der Distraktionsosteogenese, sind wir heute in der Lage die mit einem derartigen Eingriff verbundenen ästhetischen und funktionellen Beeinträchtigungen zu kompensieren.

Bei dem mittlerweile sechzehnjährigen Patienten wurden nach vorübergehender knöcherner Konsolidierung mit Rippe und Beckenkamm vier Branemark-lmplantate im Transplantat inseriert und eine horizontale Distraktionsosteogenese durchgeführt. Der von uns angewandte neuartige, individuell angefertigte Distraktor wurde dazu nicht am Knochen, sondern an den vorhandenen natürlichen Zähnen und den Implantaten fixiert. Die Implantate dienten danach auch zur prothetischen Rekonstruktion.

Ergebnis:
Bei der von uns durchgeführten Distraktionsosteogenese war eine horizontale Lageverschiebung des autologen Knochentransplantates von ca. 15mm notwendig. Die dadurch erzielte bessere Kongruenz der Ober- und Unterkiefer-Zahnbögen ermöglichte eine ästhetisch und funktionell befriedigende Rehabilitation des Patienten. Die Behandlungsdauer betrug sieben Monate.

Schlussfolgerung:
Wir sind heute in der Lage durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Hilfe moderner Behandlungsverfahren wie Implantologie und Distraktionsosteogenese bei der Rehabilitation von Kiefer- und Gesichtsversehrten besonders im Unterkieferbereich ein ästhetisch und funktionell befriedigendes Ergebnis zu erzielen.


Korrespondenzadresse:
Dr. Sabine Linsen
ZZMK -Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Welschnonnenstraße 17
53111 Bonn


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