A. Proksch, A. Wolowski:

Betreuungsrelevante Aspekte angesichts der Diagnose "Krebs"

Die sog. "schlimme" Diagnose ist für Betroffene und deren Angehörige "ein unfreiwilliger Sturz aus der normalen Wirklichkeit". Dieses kann von Zahnärzten, die nach wie vor eine klassische somatische Ausbildung erfahren, vielfach nur unzureichend aufgefangen werden, insbesondere aufgrund der damit verbundenen Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit und den daraus resultierenden Todesängsten. Angesichts dieser lebensbedrohenden Situation stellt sich die Frage, welchen Einfluss die Art der Diagnosevermittlung auf die Krankheitsbewältigung und den individuellen Betreuungsbedarf hat. Andererseits muss geklärt werden, wie gut Zahnärzte sich darauf vorbereitet fühlen. Material & Methode: Es wurden 66 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 59 Jahren gebeten, den Fragenbogen "Hornheide" zu beantworten. Auf der Basis eines speziell entwickelten Fragebogens wurden die Probanden zusätzlich befragt (halbstandardisierte Interviewform). 850 zahnärztliche Praxen des Kammerbereichs Westf.-Lippe wurden angeschrieben mit der Bitte, einen Fragebogen in anonymisierter Form auszufüllen.

Ergebnisse:
a) Patientenfragebogen: Es zeigte sich, dass der Umgang mit der "schlimmen Diagnose" geschlechtsspezifisch unterschiedlich ist. Verständnis und Ehrlichkeit bei der Aufklärung auf der Behandlerseite sind positive Einflussfaktoren, wohingegen Selbstunsicherheit und Rezidivangst des Patienten seine körperliche und seelische Belastung negativ verstärken.

b) Zahnärztefragen: Bei einem Fragebogenrücklauf von 59 % stellte sich heraus, dass etwa 30 % der Befragten sich im Umgang mit diesen Patienten für ausreichend ausgebildet einstuften. Im Widerspruch steht die Einschätzung, dass etwa 70 % der Befragten sich in der Lage sehen, bezüglich dieser Problematik ihr Team regelmäßig zu schulen. Die prothetische Versorgung der Patienten durch Hauszahnarzt erfolgte allenfalls bei Defekten mittleren Grades.

Schlussfolgerung:
Die vorgelegten Daten zeigen, dass das Erlebnis der Diagnoseeröffnung von zentraler Bedeutung ist hinsichtlich eines spezifischen psychologischen Betreuungsbedarfs. Demgegenüber steht seitens der Zahnärzteschaft eine große Verunsicherung im Umgang mit dieser Diagnose.

Korrespondenzadresse:
Priv.-Doz. Dr. Anne Wolowski
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten
Poliklinik für zahnärztliche Prothetik
Waldeyerstr. 30
48149 Münster
Tel.: 0251-8347079
Homepage der ZMK-Klinik: http://medweb.uni-muenster.de/institute/zmk/


Startseite Kiefer-Gesichts-Prothetik

Weiter !

Zurück !