S. Linsen, U. Schmidt-Beer, M. Grüner, B. Koeck (Bonn):

Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität (OHIP) bei Patienten mit Defekten im Kieferbereich

Einleitung:
Ziel dieser Studie war es die subjektiv eingeschränkte mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Patienten mit Defekten im Kieferbereich nach definitiver prothetischer Versorgung zu beurteilen.

Material und Methode:
Es wurden 26 prothetisch rehabilitierte Patienten mit einer Oberkieferteilresektion und / oder Unterkieferteilresektion mit Kontinuitätsdurchtrennung ohne / mit knöcherner Rekonstruktion untersucht.
Die Einschätzung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität der Patienten erfolgte anhand des aus dem Englischen übersetzten OHIP (Oral Health Impact Profile). Die Patienten beurteilten dabei Ihre Mundgesundheit nach abgeschlossener definitiver prothetischer Versorgung. Die Patienten beantworteten die Fragen im Sinne einer Likert-Scale. Die Einschätzung umfasste die Antworten "nie", "kaum", "ab und zu", "oft" und "sehr oft". Da auch bei Patienten ohne Resektion des Ober- und / oder Unterkiefers häufig eine Einschränkung der Lebensqualität gegeben ist, verglichen wir unsere ermittelten Werte mit denen in der Literatur von John zur Bewertung von Patienten mit CMD - Beschwerden vor und nach Therapie und von Probanden ohne zahnärztlichen Behandlungswunsch.

Ergebnisse:
Berechnet man die Summe der einzelnen Antwortmöglichkeiten zur Lebensqualität, so ergibt sich eine Beeinträchtigung (Antwort "oft" und "sehr oft") bei 12,5% der gestellten Fragen (156 von 1243 Antworten). Im Vergleich der Defektlokalisation ergab sich bei Patienten mit Resektionen im Bereich des Oberkiefers eine Beeinträchtigung von 8,37% (56 von 669 Antworten) und 17,42% im Unterkiefer (100 von 574 Antworten). Dagegen zeigten eine positive Einschätzung der Lebensqualität (Antwort "ab und zu", "kaum" und "nie") 87,5% (1087 von 1243 Antworten) der Antworten. Wird hierbei zwischen Resektionen im Ober- bzw. Unterkiefer differenziert, beantworteten Patienten mit Resektionen im Oberkiefer 91,63% der Fragen positiv (613 von 669 Antworten) und Patienten mit Resektionen im Unterkiefer 82,58% (474 von 574 Antworten) der Fragen.
Der Vergleich von Patienten mit schmerzhaften kraniomandibulären Dysfunktionen [John 1999] zeigte sich bezogen auf die Lebensqualität vor Behandlungsbeginn ein ähnliches Ergebnis wie bei Patienten mit Defekten: 17% der Fragen wurden negativ mit "sehr oft" und "oft" beantwortet, 87% positiv mit "ab und zu", "kaum" und "nie". Nach Schienentherapie wurden 4% der Fragen negativ ("sehr oft" und "oft") beantwortet und 96% positiv ("ab und zu", "kaum" und "nie"). Patienten einer bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe [John 1998] beantworteten 1,6% der Fragen negativ ("sehr oft" und "oft") und 98,4% positiv ("ab und zu", "kaum" und "nie").

Schlussfolgerung:
Die Einschätzung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität von Patienten mit Defekten im Kieferbereich bewertet nach dem OHIP weist deutlich auf Verdrängungsmechanismen (Copingeffekte) hin.




Korrespondenzadresse:
Dr. Sabine Linsen
ZZMK -Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Welschnonnenstraße 17
53111 Bonn



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