Linsen, M. Teschke und H. Stark:

Craniomandibuläre Dysfunktionen bei Patienten mit Kiefer-, Gesichtsdefekten
Nach tumorbedingten Resektionen sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer ist eine Rehabilitation des Kauorgans in Bezug auf das Zusammenspiel Okklusion, Kiefergelenk und Kaumuskulatur nur bedingt möglich. Daher ist eine weit über das normale Maß hinausreichende Adaptationsfähigkeit der beteiligten Gewebe notwendig. Aus den Defekten resultierende funktionelle Störungen werden von den Betroffenen jedoch nur selten beklagt.

In einer Untersuchung an 26 prothetisch rehabilitierten Patienten konnte unabhängig von der Defektlokalisation keine oder lediglich eine geringe Erhöhung der Schmerzempfindung im Bereich der palpierten Kiefergelenke und der Kaumuskulatur gegenüber der individuellen Schmerzschwelle gemessen werden. Die Kaukraft im resezierten Kieferbereich war signifikant geringer (P< 0,01) als in den übrigen Kieferabschnitten. Die psychische Disposition der Patienten, bewertet nach dem OHIP, weist auf Verdrängungs-mechanismen (Copingeffekte) hin. Eine neuartige Methode der chirurgischen Rehabilitation stellt bei Defekten des Unterkiefers die Rekonstruktion des Kiefergelenkes durch eine individuell gefertigte Endoprothese dar. Bei 3 Patienten wurden nach Teilresektion des Unterkiefers 3 individuell gefertigte metallische Endoprothesen implantiert. Die Funktionsqualität gesunder Kiefergelenke konnte dadurch nicht erreicht werden. Die Gesichtssymetrie und die funktionelle Beweglichkeit der Kiefergelenke wurde jedoch verbessert und die anschließende prothetische Rehabilitation erleichtert.

Die geringe Inzidenz kraniomandibulärer Dysfunktionen ist vermutlich auf die besonders im resezierten Kieferbereich deutlich verringerte Kaukraft, den vermutlich ebenso verringerten Kraftaufwand bei Bruxismusaktivitäten und auf Copingeffekt zurückzuführen.

Korrespondenzadresse:
OÄ Dr. Sabine Linsen
ZZMK -Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Welschnonnenstraße 17
53111 Bonn



E-mail: sabinelinsen@web.de



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