A. Proksch, C. Runte, J. Schneider, A. Wolowski :
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde, Münster


"Schockdiagnose"

Problemstellung:
Etwa 10 000 mal jährlich muss die Diagnose "Tumor der Mundhöhle" eröffnet werden. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt im Durchschnitt bei 50%. Bei diesen Patienten hinterlassen die Eingriffe im Kopf- und Halsbereich erhebliche Veränderungen Der spätere psychologische Betreuungsbedarf hängt unter anderem ab vom Erlebnis der Diagnoseeröffnung. Da dieses vielfach vom "Familienzahnarzt" geleistet werden muss und die zahnärztliche Ausbildung auf solch schwierige Situationen gar nicht vorbereitet, wurde der Frage nachgegangenen, ob Zahnärzte sich dieser Anforderung gewachsen fühlen.

Material und Methode:
4735 Zahnärzten des Kammerbereichs Westfalen-Lippe wurde ein Fragebogen vorgelegt, welcher Fragen beinhaltet nach der Häufigkeit, Art, der interdisziplinären Zusammenarbeit sowie der Auseinandersetzung mit der "schlimmen Diagnose" im Rahmen der Betreuung von Krebspatienten. Weiterhin wurden die Kollegen gebeten, die eigene Kompetenz im Umgang mit diesen Patienten mit Hilfe visueller Analogskalen einzuschätzen.

Ergebnis:
500 Zahnärzte schickten den Fragebogen vollständig ausgefüllt zurück. Bei einem Patientenaufkommen von durchschnittlich drei Neuerkrankten, die sowohl vor, während als auch nach der eigentlichen Krebsbehandlung durch den Hauszahnarzt mitbetreut wurden, fiel es auf, dass etwa 40 % der Zahnärzte sich kompetent fühlten hinsichtlich der Betreuung dieser Patientengruppe, aber nur 29 % der Zahnärzte sich dafür ausreichend ausgebildet einstuften. 67 % der Kollegen gaben an, ihr Team bezüglich dieser Problematik regelmäßig zu schulen. Die interdisziplinäre Kommunikation wird als verbesserungsbedürftig bewertet.

Schlussfolgerung:
Die vorgelegte Studie zeigt, dass der Anteil der neu erkrankten Patienten pro zahnärztlicher Praxis zwar gering ist, dass aber andererseits diese Patienten den Kontakt zum Hauszahnarzt während der gesamten Therapie suchen. Demgegenüber steht eine große Verunsicherung im Umgang mit dieser Diagnose.


Korrespondenzadresse:
OÄ Priv.-Doz. Dr. Anne Wolowski
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde
Universitätsklinikum Münster - Zentrum ZMK
Waldeyerst. 30
48149 Münster

E-mail: wolowsk@uni-muenster.de


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