P. Rehmann1, Ph. Streckbein2, H.P. Howaldt2, B. Wöstmann1:
1Poliklinik f. Zahnärztl. Prothetik, Gießen
2Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Standort Gießen


Rekonstruktion von Kieferdefekten mittels präfabrizierten Fibulatransplantat - Licht und Schatten


Die Verwendung von mikrochirurgisch anastomosierten Transplantaten zur Rekonstruktion von Kieferdefekten hat zur Verbesserung der chirurgischen Therapie bei Mundhöhlen-Karzinomen geführt. Dabei lassen sich mittlerweile auch größere knöcherne Substanzverluste durch gefäßgestielte Knochentransplantate ersetzen. So haben sich in den letzten Jahren unter anderem Fibulatransplantate bewährt, die bis zu einer Länge von 25 cm gewonnen werden können und an der A. und V. fibularis gestielt sind. Diese vorwiegend aus Kompakta bestehenden Transplantate sind auch für die Aufnahme osseointegrierter Implantate bestens geeignet. Hierbei bietet sich die Möglichkeit, die Fibula vorher optimal vorzubereiten. Die vorgestellte Methode unterscheidet sich von anderen Operationstechniken darin, dass in einem ersten Eingriff die zahnärztlichen Implantate nach prothetischen Gesichtspunkten in die Fibula inseriert werden (Abb. 1) und das Fibulatransplantat später in einer zweiten Operation in den Kieferdefekt transferiert wird (Abb. 2). Dabei kann das Knochentransplantat mit Hilfe eines vorher hergestellten provisorischen Zahnersatzes positioniert und dann osteosynthetisiert werden. Die Vorteile dieser Methode liegen einerseits in der ästhetisch und funktionell korrekten Positionierung des Fibulatransplantates, andererseits kann ein funktionstüchtiger implantatgetragener Zahnersatz gleichzeitig mit dem Transfer der Fibula in den Kieferdefekt eingegliedert werden. Dies ermöglicht postoperativ eine von Anbeginn an nahezu völlig normale Nahrungsaufnahme und trägt damit wesentlich zum Wohlbefinden des Patienten und zur Verkürzung der Dauer der Rekonvaleszenz bei. Allerdings ist im Vorfeld eine befundadäquate Planung unabdingbar, bei der vor allem auch prothetische Gesichtspunkte berücksichtigt werden müssen. Werden diese außer Acht gelassen, kann sich die gesamte prothetische Versorgung unter Umständen schwierig gestalten.
Die Vor- und Nachteile der kiefer-gesichts-prothetischen Versorgungen mittels Fibulatransplantaten werden in zwei klinischen Fallberichten dargestellt.


Abb.1: Fibula mit dentalen Implantaten

Abb.2: Zustand nach Unterkiefer-Rekonstruktion mit präfabrizierten Fibulatransplantat


Korrespondenzadresse:
OA Dr. Peter Rehmann
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Zentrum für ZMK
Justus-Liebig Universität Gießen
Schlangenzahl 14
D-35392 Giessen
E-Mail: Peter.Rehmann@dentist.med.uni-giessen.de



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