D. Welker, W. Pfister, S. Eick und M. Hinz:

Das mikrobiologische Problem weicher Kunststoffe aus experimenteller und klinischer Sicht

Einleitung:
Die Keimbesiedlung weicher Kunststoffe ist trotz materialkundlicher Verbesserung dieser Werkstoffgruppe gegenwärtig immer noch ein klinisch relevantes Problem. Es ist klinisch schwierig die Ursachen zu differenzieren, deren Kenntnis jedoch für das klinische Vorgehen erforderlich ist. Zweifelsohne hängt die Bewährung weicher Kunststoffe im Mund auch wesentlich von Wechselwirkungen mit dem oralen Milieu und von der Hygienisierbarkeit ab.

Zielsetzung:
  1. Experimentell wird die mögliche Beeinflussung des Wachstums oraler Mikroorganismen an Eluaten frischer und gealterter weicher Kunststoffe studiert.

  2. In einem besonderen Versuchsaufbau wird die Keimpenetration in weiche Kunststoffe hinein untersucht.

  3. Eine klinische Blindstudie dient dazu, qualitative und quantitative Veränderungen der Mundflora nach Eingliederung von Therapiemitteln mit Anteilen weichen Kunststoffs zeitlich zu verfolgen.

Material und Methode:
Weiche Kunststoffe der experimentellen Untersuchungen: Flexor, Molloplast-B, Mollosil, Mucopren soft, Perform soft.
Keimspezies: Candida albicans (ATCC 1386), Escherichia coli (ATCC 1229), Streptococcus salivarius (J-PE 7696), Streptococcus sanguis (NCTC 7868).
Weicher Kunststoff der klinischen Studie: Mollosil plus.

Resultate und Diskussion:
Im Experiment wird das Wachstum unterschiedlicher Spezies der Mundflora durch die Eluate der weichen Kunststoffe nur gering beeinflusst. Eluate künstlich gealterter Kunststoffe fördern etwas das Wachstum von Candida albicans, während Streptococcus salivarius und Streptococcus sanguis gehemmt werden. E. coli verhält sich indifferent. Verschiebungen im Keimspektrum können somit durch gealterte weiche Kunststoffe verursacht werden. A-Silikone werden von Mikroorganismen nicht penetriert. Die klinische Blindstudie, über die berichtet werden wird, wird zur Zeit ausgewertet.
Klinisch gelegentlich beobachtete Bildungen nicht entfernbarer Beläge auf weichen Kunststoffen sind offenbar weniger ein Problem der Werkstoffchemie als der nach Bearbeitung ungünstigen Oberflächen-Mikrostruktur (Politur nicht möglich) und der schwierigen Hygienisierung. Aber auch bei einheitlich glatter Oberfläche finden sich am gleichen Therapiemittel Areale ohne und mit Belägen. Es besteht eine besondere Abhängigkeit der Belagentstehung von oralökologischen Wachstumsbedingungen (Mikrobiotope, unterschiedliche Belüftung und Befeuchtung; Patienten mit geschwächter Abwehrlage und qualitativ sowie quantitativ verändertem Keimspektrum).

Autorenadressen:
Univ.-Prof. Dr. Dieter Welker, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pfister,
Dr. med. Sigrun Eick und Dr. med. Monika Hinz
Klinikum der FSU Jena
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde
Bachstr. 18
D - 07740 Jena


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