Fertigung einer Epithese

- step by step skizziert


1. Einleitung
2. Der Patient
3. Problemstellung
4. Epithetische Lösung
5. Ergebnis und Ausblick

1. Einleitung

Die Epithetik ist eine besondere Herausforderung für den Zahntechniker. Gleichzeitig werden Versorgungen eines Patienten mit Gesichtsprothesen immer dringlicher und zahlreicher. Hartmut Stemman stellt im folgenden die Fertigung einer Nasenepithese vor. Der Hamburger Zahntechnikermeister skizziert Schritt für Schritt die Vorgehensweise.

2. Der Patient

Ein aktiv tätiger Fleischermeister wurde nach operativer Entfernung eines Karzinoms epithetisch versorgt. Im Nahbereich des Defektes konnten keine implantatfähigen Knochenbereiche lokalisiert werden. Über Jahre musste die großflächig gestaltete Nasenepithese mit Hilfe von Hautklebern oder mit Heftpflasterstreifen fixiert werden. Der Autor plante eine nur auf den Defektrand stark reduzierte Nasenflügelrekonstruktion. Mit einer dreigeteilten magnetfixierten Epithese wurde eine ästhetisch und zugleich funktionell gute Lösung erreicht.

3. Problemstellung

Der ausgeheilte Defekt des Patienten umfasst des linken Nasenflügels. Zudem ist die Nasenscheidewand in einer Flächenausdehnung von etwa zwei Quadratzentimeter (Bild 1) perforiert. Die Klebemittel zur Fixierung der Epithese und der Rauch vieler Zigaretten führten nach kurzer Tragezeit zu nachhaltigen Entfärbungen. Die heißen und zum Teil fettgetränkten Dämpfe in der Fleischerei bewirkten zudem eine ständige Reduzierung der Wirkung der adhäsiven Epithesenkleber. Aus diesem Anlass benutzt der Patient zusätzlich transparente Heftpflasterstreifen (Bild 2). Dem Epithesensilikon wurden durch überzogene Reinigungsbestrebungen die Weichmacher mit der Folgewirkung entzogen, dass die ausgelaugten Kunststoffe sich deutlich verformten und dadurch die Hautkontaktflächen minimiert wurden. Von einer ästhetischen Randgestaltung war nichts mehr zu merken.

Abb. 1
Bild 1:Der Defekt in der linken Nasenwand

Abb. 2
Bild 2: Vorhandene Epithese, über Heftpflasterstreifen fixiert

4. Epithetische Lösung

Der Autor konstruierte eine dreiteilige Epithese, bestehend aus:

  1. Erster Obturator (Naseninnenteil für den linkseitigen Defektbereich) mit deutlichem Silikonretentionsteil im Nasenhöhlenraum. In dieses Teil ist ein erster Magnet zur Fixierung der Epithese eingearbeitet (Bild 3).
  2. Zweiter Obturator aus glasklarem Arcylat (Bild 5), der in den rechten Nasengang eingesetzt wird. Dieses Teil greift mit einem zweiten Magneten durch die Perforation der Nasenscheidewand und stabilisiert so den Sitz der Epithese.
  3. Epithese (hier noch als Wachsmodellation), begrenzt auf den Defektrand (Bild 4)

Abb. 3
Bild 3: Naseninnenteil der dreigeteilten Epithese

Abb. 4
Bild 4: Wachsmodellation des Nasenflügels

Es wurde ein Titanrohr mit einem Innendurchmesser von 5 mm mit Silikonretention mit einem angelaserten extrastarken Titanmagnetics (sogenannten Z-Linie) gefertigt (Bild 6). In das innen hochglanzpolierte Titanrohr kann ein Pfeifenrauchfilter eingeführt werden. Das Titanrohr dient der problemfreien Atmung. Der Zigarettenqualm soll durch den Pfeifenrauchfilter vom Nasenflügelanteil weitestgehend ferngehalten werden. Die Bilder 7 und 8 zeigen die Fertigung des Naseninnenteiles in der Küvette und in situ. Dabei sind deutlich erkennbar der vordere Atmungsausgang des Titanrohres zum Nasenflügelgang, die Perforation der Nasenscheidewand und dem Z-Titanmagnetics aus dem Steco-Epithetik-System. Die zweite Abformung (Bild 9) bezieht sich auf den Defektbereich zur Fertigung des Nasenflügels auf der Basis des in situ befindlichen Naseninnenteiles und der Basis des zweiten Obturators im rechten Nasenflügel dargestellt. Deutlich ist der umgebende Freiraum für eine ungehinderte Nasenatmung zu erkennen. Über entsprechende Titanmagnetics-Modellimplantate ist bei der Küvettenfertigung des Nasenflügels aus Episil (Bild 10) eine präzise Einpolymerisation der zwei Gegenmagnete sichergestellt.

bb. 5 und 6
Bild 5 und 6:
Zweiter Obturator aus glasklarem Acrylat sowie Titanrohr mit angelasertem Titanmagnetics

Abb. 7
Bild 7: Naseninnenteil in der Küvette

Abb. 8
Bild 8: Naseninnenteil am Patienten eingesetzt

Abb. 9
Bild 9: Defektabformung über das eingesetzte Naseninnenteil

Abb. 10
Bild 10: Nasenflügel in der Küvette

5. Ergebnis und Ausblick

Die abschließenden Bilder 11 und 12 zeigen die Ausgangsepithese und die im Mai 1999 gefertigte dreiteilige Epithese. Auf die Epithesenfixierung durch Hautklebemittel konnte verzichtet werden. Ein sinnvoll geplanter Einsatz von korrosionsgesicherten titangekapselten Magneten entlastet die nicht defekten Hautbereiche, ermöglicht dem Patienten eine sichere Adaption der Epithese und erlaubt die erforderliche Pflege der Gewebe im Defektbereich. Die Fertigung einer ästhetisch und funktionell optimierten Epithese ist kostengünstig und nach Ausheilung des Defektes in relativ kurzer Zeit herzustellen.

Abb. 11
Bild 11: Ansicht der alten Epithese

Abb. 12
Bild 12: Ansicht der neuen, dreiteiligen Epithese

An dieser Stelle danke ich dem Patienten für seine Einwilligung zur Veröffentlichung. Ebenso danke ich der in unserer Ausbildung befindlichen Epithetikerin Anja Kipf für diese gelungene Nasenflügel-Epithese.


Produkte:
steco-system-technik GmbH&Co.KG, E-MAIL:info@steco.de, (Magnete, Titanröhre)
Dreve-Dentamid GmbH, E-MAIL:dreve@t-online.de,(Epithesen- und Abformsilikon)

Literatur beim Verfasser:
Ztm. Hartmut Stemmann
E-MAIL: labor@steco.de, Studio facial der Stemman Zahntechnik GmbH.



Copyright beim Verlag neuer Merkur. Die Übernahme des Artikels in das Journal Kiefer-Gesichts-Prothetik erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion aus "das dental labor" Nr.2/2000 Seite 148-150.
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